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Die mächtigen Urzeittiere im Dovrefjell

“Dovrefjell ist in Worten schwer zu beschreiben. Worte werden dieser wunderschönen Landschaft nicht gerecht. Sie weckt längst vergessene Erinnerungen an kalte schneereiche Winter, den Geruch von Schnee in der Luft, rote Backen und lange Winternächte vor dem Kaminfeuer. Kein Geräusch ist zu hören außer unseren Schritten auf dem gefrorenen Boden und dem Wind der über den Fjell weht, als wir uns aufwärts bewegen. Dazu ein einzigartiges warmes Licht, wenn die Sonne durch die Wolken bricht und einen wunderbaren Kontrast zu der kalten Winterlandschaft bildet. Von weitem schon sehen wir die majestätischen Moschusochsen am Berghang. Ihr Fell ist mit Raureif überzogen, sie verschwinden fast in der Landschaft. Wie Geister im Schnee.”

Barbara Bauer (Begeisterte Fotografin und Teilnehmerin)

Moschusochsen sind sehr gut an das Leben in Eiseskälte angepasst. Haben sie doch vor vielen tausenden Jahren schon gemeinsam mit den Mammuts gelebt. Wenn man sie so ansieht, ist eine gewisse Ähnlichkeit auch nicht abzustreiten. Um in der Eiseskälte zu bestehen, haben sie eine besondere Wolle. Diese ist sehr dick und wärmt ca. acht Mal so stark wie Schafswolle. In der arktischen Tundra sind die Winter lange und auf dem Hochplateau fällt das Thermometer nicht selten bis unter -40 °C. Bei diesen tiefen Temperaturen beschränkt sich die Aktivität der Tiere auf das Minimum und jede Störung muss absolut vermieden werden.

Die bis zu 400 Kilogramm schweren Bullen können bei der Verteidigung der Herde schon mal ungemütlich werden. Vorausgesetzt sie fühlen sich bedrängt und man hält keinen ausreichenden Abstand ein. Wer also die Warnungen und die Körpersprache der Moschusochsen ignoriert, wird schmerzlich daran erinnert, dass in die Komfortzone eingedrungen wurde. Also weglaufen! Oder bringt das nichts? Wohl eher nicht, denn die schwerfällig anmutenden Tiere können Geschwindigkeiten von 60 km/h erreichen und sind damit deutlich schneller als jeder Mensch.

Der Lebensraum

Die ersten Schritte über die Brücke, unter der Bahnlinie durch. Der Weg wird steiler und wir überqueren einen kleinen Bach. Schritt für Schritt steigen wir auf und wandern anfangs durch einen natürlich anmutenden Birkenwald. Teilweise umgestürzte Bäume, feuchte Erde und viele Sträucher. Man sieht viele Spuren von Mäusen. Das entscheidende Glied in der Kette, wenn es um die Eulen- und Fuchspopulation geht. Am Ende des Waldes haben wir zum ersten Mal einen schönen Überblick über den Rand des Gebiets und mit etwas Glück erspähen wir bereits die ersten Moschusochsen in der Ferne. Langsam und behutsam machen wir uns auf den Weg zu den Tieren. Ihr Lebensraum ist karg und doch finden sie genug Nahrung. Sie sind nicht wählerisch und verspeisen Kräuter, Flechten und Moose. Im Winter müssen sie ihr Futter mit den Vorderhufen ausgraben und daher nutzen sie teilweise auch Gebiete, wo der Wind schon einen Teil der Arbeit erledigt hat. Häufig folgen ihnen auch Schneehasen und Schneehühner, die den vom Schnee befreiten Boden nutzen.

Die fotografische Herausforderung

Der Weg zu den Ochsen kann von Tag zu Tag sehr unterschiedlich sein. Grundsätzlich legen die Tiere keine großen Distanzen zurück und bewegen sich meist nur ca. zwei Kilometer im Zuge der Nahrungsaufnahme. Das kann für uns jedoch auch bedeuten, dass wir ein bis 2 Kilometer zusätzlich pro Richtung gehen müssen. Der große Vorteil ist, dass wir viel Zeit haben, uns den Tieren zu nähern. Wir laufen nicht auf sie zu, sondern warten in sicherer Entfernung. Wichtig ist, dass sich die Tiere gut an uns gewöhnen und bemerken, dass wir keine Gefahr sind.

Geduld

In der Tierfotografie ist die Geduld eine äußerst wichtige Sache. Bringt man genügend Geduld mit, so wird man manchmal mit tollen Bildern belohnt. Es kann auch vorkommen, dass die Tiere stundenlang liegen und verdauen, bevor sie wieder weitere Moose und Flechten suchen.

An einem Tag habe ich mich auf den Weg gemacht um die Tiere an einer anderen Stelle zu suchen. Weit in der Entfernung habe ich die Gruppe Moschusochsen gesehen, die ich am Vortag fotografieren konnte. Doch heute wollte ich nicht zu ihnen, ich wollte eine weitere Gruppe finden. Entlang meines Weges waren die Hufspuren und ich war voller Motivation und hoffte, auch die Tiere selbst bald zu entdecken. Doch ich konnte kein Lebewesen finden und somit beschloss ich wieder zur anderen Gruppe zu gehen. Nach mehr als zehn Kilometern war ich am Ziel und konnte mich langsam nähern. Meine Position war nicht gut, doch ich wollte auch nicht zu nahe sein und entschied mich dazu etwas weiter entfernt sitzen zu bleiben. Mein Ziel für diesen Tag war es, diese Herde von Moschusochsen einfach nur zu beobachten. Somit würde ich etwas über ihr Verhalten lernen und in der wunderschönen Natur sein. Als die Sonne etwas tiefer am Horizont stand, machten sich die Tiere wieder auf die Suche nach Fressbarem. Ein Tier nach dem anderen stand auf und fraß vor sich hin. Schritt für Schritt näherten sie sich und ich konnte viele Aufnahmen machen. An einem Punkt beschloss ich, mich etwas von ihnen zu distanzieren, da ich sie nicht bedrängen wollte und ich auch nicht in den Genuss kommen wollte, von ihnen verjagt zu werden. Beim acht Kilometer langen Rückweg habe ich viel über Geduld, Ruhe und Dankbarkeit nachgedacht. Diese Momente in der Natur sind ein großer Segen.

Moschusochsen fotografieren

Häufig werde ich gefragt, welche Brennweite „die Beste“ ist, um Moschusochsen zu fotografieren. Ich habe es schon oft erwähnt und auch hier kann es nicht pauschal beantwortet werden. Gerne habe ich ein Zoom mit, wo ich Bilder mit der Umgebung und den Tieren darin aufnehmen kann. Diese Environmental Portraits zeigen oft ein sehr schönes und umfangreiches Bild. Natürlich kann man mit diesem 70-200 Telezoom auch tolle Landschaftsbilder machen. Für weitere Landschaftsbilder habe ich auch immer noch ein Weitwinkelzoom dabei mit dem ich wunderbar einen markanten Vordergrund mit aufs Bild bringen kann. Die Hauptarbeit erledigt bei mir ein 500 mm Teleobjektiv und je nach Bildwunsch habe ich noch einen Telekonverter dabei.

Wenn man ganz leicht und vielseitig unterwegs sein möchte, dann reicht auch ein günstigeres 100-400 mm Objektiv oder ein 150-600 mm. Diese Objektive sind sehr preiswert und leisten tolle Arbeit. Der große Vorteil ist, dass sie einen großen Brennweitenbereich abdecken und sehr, sehr leicht sind. Damit kann man auch ein paar Meter mehr zu den Moschusochsen wandern. 😉

Ich fotografiere sehr gerne vom Stativ und habe es auch häufig mitgenommen. Dieses ist jedoch kein Muss. Alternativ kann man die Kamera auf den Rucksack oder einen Fels auflegen und kann damit die Kamera ebenfalls sehr gut ruhig halten. Bei extrem starkem Wind ist das Stativ allerdings von Vorteil, da die Kamera deutlich ruhiger zu positionieren ist..

Damit der Fotograf bzw. die Fotografin nach einiger Zeit in der Kälte noch funktioniert, habe ich eine Thermoskanne mit heißem Tee dabei. Trinken ist wichtig und der Tee hält zusätzlich warm. Damit man zumindest etwas bequemer sitzen bzw. knien kann, macht auch ein kleines Kissen bzw. eine Sitzauflage Sinn.

Aufnahmetechnik

Bei den stark wechselnden Bedingungen kann über Aufnahmetechnik einiges gesagt werden. Bei strahlendem Sonnenschein und Windstille konnte ich mit dem automatischen Fokusfeldern gut arbeiten und die Augen der Tiere wurden großteils gut erkannt. Das hängt sehr stark von der Entfernung ab und wenn sich mehrere Tiere nebeneinander befanden, verkleinerte ich mein Autofokus-Messfeld. Somit konnte ich mir gezielt das Tier aussuchen, auf das ich scharf stellen wollte. Bei Schneefall oder Verwehungen habe ich das Fokusfeld auf Einzelfeld umgestellt, um keine unscharfen Bilder zu produzieren. Und bei ganz extremen Bedingungen mit sehr starkem Schneefall half nur noch der manuelle Fokus mit Focus Peaking als Unterstützung.

Ähnlich war es bei den anderen Einstellungen der Kamera. Teilweise habe ich mit dem AF-C und teilweise mit AF-S fotografiert. Der kontinuierliche Autofokus macht nur Sinn bei bewegten Motiven und der Single Autofokus, wenn alle Tiere ruhig liegen oder stehen.

Die Belichtungszeit habe ich wie üblich für die unterschiedlichsten Bildwirkungen und Bildideen, von 1s bis auf 1/5000s bewegt. Damit kann man gestalterisch sehr viel bewirken und bekommt ein Bild, dass man vermutlich noch nicht so häufig gesehen hat.

Grundsätzlich erkläre ich diese Dinge ganz genau im Zuge der Reisen und Workshops. Die Theorie ist ohnehin sehr vielen von euch ganz klar. Doch es geht meistens darum, vor Ort die Ideen zu haben und diese umzusetzen. Auch die Hilfestellung on Location ist extrem wichtig. Zu Hause ist der Moment schon vorbei und daher muss man schnell und direkt reagieren. Ich freue mich auf die nächste gemeinsame Reise. Danke fürs Lesen.