Dramatische Landschaften mit dem Teleobjektiv

In der Landscahftsfotografie denken wir meist an weite Blickwinkel in einer schier unendlichen Landschaft, magische Wasserfälle, die über einen Felsvorsprung stürzen und mit einer geringen Brennweite in Szene gesetzt werden. Doch auch das Teleobjektiv spielt in der Landschaftsfotografie eine bedeutende Rolle.

Equipmentüberlegungen vor einer Reise

Egal mit welcher Markte du deine Bilder aufnimmst, es gibt überall passende Objektive und genügend Auswahl. An der fehlenden Verfügbarkeit von Equipment liegt es eher nicht., dass wir gewisse Aufnahmen nicht machen. Meiner Erfahrung nach geht es allerdings in den meisten Fällen darum einen passenden Kompromiss beim Einpacken zu finden. Bevor ich eine Reise starte, überlege ich mir schon genau, wie ich arbeiten möchte. Außerdem muss ich mir überlegen, welche Motivwelt mich vor Ort erwarten würde. Ist die Landschaft extrem weitläufig, oder etwas kompakter? Gibt es Wildtiere, die ich fotografieren möchte? Wie viel Licht ist zur Verfügung? Also bin ich in einem dichten Wald oder in einer schneebedeckten Landschaft bei Mitternachtssonne?

Mir geht es bei der Auswahl des zu packenden Equipments nicht nur darum was ich exakt fotografieren kann, sondern auch darum, was ich gut und praktikabel hantieren kann. Meine Ausrüstung, die ich auf die jeweiligen Tagesausflüge mitnehmen möchte, sollte ohne Probleme in den Rucksack passen, wobei die Kamera dabei mit einem Objektiv montiert Platz finden soll. All diese Überlegungen stelle ich bereits schon vorab an.

Habe ich überhaupt keinen Plan, was mich erwarten wird, dann hab ich mich vermutlich nicht über die Gegebenheiten vor Ort informiert. In diesem Fall bringe ich Objektive zwischen ca. 20mm und 300mm mit. Diesen Brennweitenbereich gibt es teilweise sogar in einem einzigen Objektiv.

Telelobjektive für die Landschaftsfotografie

Auf meinen jüngsten Reisen habe ich einige unterschiedliche Teleobjektive mitgebracht und wenn du meine Schritte etwas verfolgt hast, dann ist dir vielleicht bekannt, dass ich einen Systemwechsel vollzogen habe. Durch diesen Systemwechsel gab es wieder völlig neue Voraussetzungen und neue Möglichkeiten. Nicht nur ist mein Equipment viel kleiner und leichter geworden, was mir erstaunlich viel Freude bereitet hat, außerdem ist die Auswahl an Objektiven bei Sony viel größer geworden. Da ich mich nicht sofort dazu entscheiden konnte, was ich denn alles “brauche” hab ich mich dazu entschieden unterschiedliche Objektive zu testen. Das Eine oder Andere davon habe ich mir dann auch zugelegt.

Das Sony 70-200 f4 Makro G2 ist für mich ein besonders tolles und vielseitiges Objektiv. Es ist super Kompakt und extrem leicht, wobei die Qualität bestechend gut ist. Die Brennweite zwischen 70 und 200 mm ist eine sehr klassische Brennweite und nicht umsonst sehr passend. Bei der Landschaftsfotografie gehe ich selten auf eine Blende, die weiter ist als f/4 und daher habe ich auch bewusst auf das 70-200 f/2.8 verzichtet, welches zwar qualitativ noch hochwertiger ist, aber auch teuerer und schwerer. Besonders bei Wanderungen schätze ich die Kombination aus 20-70 f/4 und dem 70-200 f/4 sehr. Diese beiden Objektive mit Kamera wiegen gemeinsam gerade einmal 2 Kilogramm, einfach unfassbar. Möchte ich einen kleineren Ausschnitt meiner Landschaft, kann ich mit dem 70-200 noch einen Telekonverter einsetzen um auf 280 mm (bei 1.4x TC) oder auf 400 mm (bei 2x TC) zu kommen.

Ein Objektiv, das ich erst nach dem tatsächlichen Testen sehr zu schätzen gelernt habe, ist das unglaublich gute und erstaunlich vielseitige Sony 50-150 f2 GM. Mit der offenen Blende f/2 sind die kreativen Möglichkeiten auf einem ganz anderen Level möglich. Damit kannst du wunderschöne Unschärfekreise in deine weiten Landschaften einbauen, oder verträumte Landschaften mit natürlichen Rahmen erstellen. Was mir bei diesem Objektiv auch sehr gefällt ist die Brennweite, denn 50 mm ist doch nochmal merklich weiter als ein 70-200. Sollte mit am oberen Ende etwas fehlen, ist es kein Problem, denn mit einer 50MP Kamera habe ich kein Problem einen Ausschnitt vom Bild zu nehmen…

Möchtest du mehr über eine Erfahrungen mit dem 50-150 f2 GM lesen, dann schau dir das Interview auf der Sony Alpha Universe Website an.

Fast schon ein Klassiker für kleine Ausschnitte aus der Landschaft ist das 100-400. Diesen Brennweitenbereich gibt es nich nur von den Kameramarken selbst, sondern auch von den “Fremdherstellern”. Die Arbeit mit dem 100-400 gefällt mir meist sehr gut, da ich mit einem Objektiv sehr diverse Aufnahmen machen kann. Das ist dir vielleicht auch bei den beiden vorangegangenen Objektiven aufgefallen, dass ich die universelle Einsetzbarkeit sehr schätze. Allerdings ist die Flexibilität auch immer ein wenig mit Vorsicht zu genießen. Denn obwohl die Qualitätsunterschiede zwischen Festbrennweiten und Zooms nicht mehr so groß sind, ist bei günstigen Superzooms doch mit deutlichen Abstrichen zu rechnen. Daher besser ein wirklich gutes Objektiv gebraucht bzw. in Aktion kaufen, als sich ständig über ein schlechtes Objektiv zu ärgern. Mich persönlich hemmt schlechteres Equipment auch Kreativ sehr. Wenn ich ein Objektiv verwende, das mit bezüglich dessen Schärfe nicht gefällt, schägt sich dies sofort auch auf meine Kreativität nieder.

Minimalismus mit dem Teleobjektiv

Eine sehr wirksame und doch schwierige Möglichkeit, ansprechende Bilder mit dem Teleobjektiv aufzunehmen ist das minimalistische Denken. Dabei verwende ich häufig zahlreiche Iterationsschritte. Zuerst beobachte ich die Landschaft und suche ganz bewusst einen Ausschnitt mit Kontrast, der mich anspricht. Egal, ob weit weg oder nah dran. Die Suche nach einem möglichst klaren Ausschnitt ist in vielen Fällen sehr zielführend. Manchmal handelt es sich um eine Lichtkante, die durch die Bildentwicklung in Lightroom noch kontrastreicher ausgegeben werden kann. Manchmal ist es eine kleine Wolke über der Landschaft und ein anderes Mal, sind es kleine dunkle Zacken, die aus der schneeweißen Umgebung ragen.

Das folgende Bild ist meines Erachtens ein gutes Beispiel für einen minimalistischen Ausschnitt, der trotzdem einiges über die Umgebung erzählt. Der Bogen, der den schneebedeckten Gletscher formt, ist eine visuelle Linie, die sich durchs gesamte Bild zieht, bis dieser in die rechte untere Ecke mündet. Die Wolke selbst ist nur am linken Rand angeschnitten und zeigt somit die gesamte Ausdehnung im rechten Bildrand. Sie reicht bis weit ins Bild und ich vermeide bei derartigen Bildausschnitten, jegliche “Kompositionsregeln”. Wenn ich tatsächlich Spannung erzeugen möchte, dann ist beispiesweise die Drittelregel nicht das Mittel der Wahl. Mir gehts viel mehr um visuelle Balance. Dieses visuelle Gleichgewicht kann unterschiedlich aussehen. Es kann sich um eine kleine Insel als Gegengewicht zu einer größeren Landmasse darstellen, oder eine gleichmäßige flächige Aufteilung zwischen hell und dunkel. Ich frage mich beim Feinschliff am Computer dabei immer folgendes: “Wie fühlt sich das Bild bei der Betrachtung für mich an?” Wirkt es harmonisch, oder regt mich irgendwas auf?

In diesem Fall habe den dunklen Himmel im Hintergrund durch die Wolke zweigeteilt. Über der Wolke ist ähnlich viel Raum, wie zwischen Wolke und der feinen Linie der Landschaft. Für mich ist das visuell ausbalanciert und minimalistisch zugleich.

Von dieser Szene habe ich noch eine zweite Version, die noch minimalistischer ist. Diese ist eine Hochformataufnahme. Quasi der rechte Teil des folgenden Bildes. Dadurch wird das bild noch zusätzlich reduziert, verliert für mich allerdings an Kontext. Es wäre ein perfektes Bild für ein Magazincover. Hier fiel die Entscheidung jedoch auf einem geschichte erzählenden, minimalistischen Bildes.

Folge dem Licht mit dem Teleobjektiv

Ich schätze mich sehr glücklich, in Regionen unterwegs sein zu dürfen, die dramtatische Wetterstimmungen bieten. In einer Minute ist es trocken und die Sonne scheint und wenige Augenblicke später peitschen kleine Eiskügelchen gegen die Haut im Gesicht. So ist es mir nicht nur einmal ergangen. Aber genau das macht einen riesigen Unterschied. Bei diesen Bedingungen ist das Teleobjektiv eine wahre Geheimwaffe.

Bei schnell wechselnden Lichtstimmungen kannst du mit dem Teleobjektiv dramatische Ausschnitte zwischen Licht und Schatten herausfiltern und deine eigene kleine Welt schaffen. Manchmal gerate ich bei dieser Art der Fotografie fast in eine Stress-Situation, da sich die Motive so schnell ändern und ich am Liebsten alles auf einmal aufnehmen möchte. Ich versuche dabei eine gewisse Ruhe zu bewahren und die Wanderung des Lichts zu beobachten. So kann ich antizipieren, wo das Licht als nächstes Auftreffen wird und wann ich in welche Richtung fotografieren sollte.

Besonders angenehm finde ich diese Art der Fotografie in der Gruppe, da man sich dabei gegenseitig über die subjektiv schönsten Lichtmomente informieren kann. Bei den Fotoreisen, ist mir ein reger Austausch sehr wichtig, da alle davon am Meisten profitieren.

Beim nachfoldenden Bild habe ich genau den zuvor beschriebenen Kontrast zwischen Licht und Schatten für meine Komposition verwendet. Dieses Mal habe ich mich dazu entschieden, das Bild in verschiedene Ebenen zu teilen. Im Vordergrund ist der kontrast-stärkste Bereich mit viel Struktur und dunklen Gletscherspalten. Danach folgt ein sehr sanfter und doch einigermaßen heller mittlerer Bildbereich. Und weiter hinten folgt der interessante und dramatisch, dunkle Hintergrundbereich, dessen Eindruck beinahe in Richtung Silhouette geht. Wollte ich in diesem Fall in die minimalistische Richtung gehen, so gäbe es die Möglichkeit, die obere Bildhälfte als Ausschnitt zu wählen.

Für mich war, wie bereits erwähnt, der Kontrast zwischen Licht und Schatten, die finale Entscheidung meiner Wunsch-Komposition. Ein Bildaufbau, bei dem ich mehrere Elemente vereinige. Einerseits habe ich einen ruhigen und minimalistischen Hintergrund, der trotzdem spannend ist. Andererseits gibt es im Vordergrund viel Kontrast und im Gesamtbild eine Geschichte einer weitläufigen weißen Landschaft, die starken Wetterwechseln unterworfen ist.

Meine Gedanken zu Bildern

Wie bei den beiden vorherigen Kapiteln, mach ich mir häufig Gedanken zu meinen Bildern. Ich Arbeite daran in Stufen. Kaum ein Bild ist unmittelbar nach der Aufnahme bereits fertig bearbeitet und “ready for publishing”. Der kreative Prozess dauert bei mir länger. Die Emotionale Verbundenheit zu einem gerade noch besuchten Ort, einer unmittelbar wahrgenommenen Szene ist noch viel zu stark. Die eigene Emotion überschattet die tatsächliche Wirkung des Bildes. Und diese eigene ganz persönliche und kaum übersetzbare Emotion fehlt bei jedem Menschen, der nicht exakt am selben Fleck zur selben Zeit war. Um wahres Gold im eigenen Archiv zu finden, müssen wir das Bildmaterial möglichst neutral und objektiv beurteilen. Es hift auch durchaus, mehrere Menschen ganz ohne Hintergrundinformation zu den eigenen Bildern zu befragen. ;-)

Nicht Perfekt, aber trotzdem die erste Wahl

Auf der langen Reise in die Antarktis, vorbei an wunderbaren Inseln, wie den Falkland Inseln, Südgeorgien oder den South Orkney Inseln, habe ich versucht mein Reisegepäck leicht zu halten. Nur das Notwendigste war mit und somit hatte ich das 50-150 f2 GM sowie das 300 f2.8 GM mit dabei. Das 300er ist bestimmt nicht das flexibelste Objektiv, doch mit Telekonverter konnte ich 300mm oder 420mm verwenden. Eine Fixbrennweite alleine, ist bestimmt limitierend, doch in Kombination mit einem Zoom an unteren Ende, gewinnt man an Flexibilität und kann die letzten Feinheiten noch mit der hohen Auflösung bzw. cropping kompensieren.

Das 300mm f/2.8 GM - soo good, I could eat it ;-)

"Das 300er 2.8 von Sony ist eines meiner Lieblingsobjektive. Es macht so viel Spaß damit zu fotografieren. Neben der außerordentlichen Schärfe und kaum merklichen Verlusten beim Einsatz von Telekonvertern, ist es unglaublich klein und leicht. Alle technischen Limitierungen, scheinen bei diesem Objektiv vergessen”

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Environmental Portrait - Tiere in ihrer natürlichen Umgebung

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