Environmental Portrait - Tiere in ihrer natürlichen Umgebung

Die Verschmelzung von Landschafts- und Tierfotografie trifft sich bei Aufnahmen, die beide Elemente vereinen und ein breiteres Bild aus Habitat und Lebewesen zeigen.

Königspinguine auf den Falkland Inseln, Saunders Island

Ein ansprechendes Tierportrait

Naturfotografie ist so vielseitig und bringt zahlreiche verschiedene Geschmäcker zum Vorschein. Je nach kreativer Vorstellung und ästhätischem Empfinden, gestalten sich auch die Bilder sehr individuell. Der Schwerpunkt meiner persönlichen Stärke liegt eher in der Landschaftsfotografie und so achte ich bei meinen Aufnahmen sehr deutlich auf das Licht, die Anordnung unterschiedlicher Elemente und die Wirkung der gesamten Balance im Bild. Egal, ob die Aufnahme eine Landschaft mit Bäumen darin zeigt oder einen Strand mit Pinguinen. Der grundsätzliche Gedankengang bleibt gleich. Für mich handelt es sich immer um Elemente, die ich kombinieren möchte und dementsprechend Platzverhältnisse aufteilen will.

Das Dominante Element, wie beispielsweise Baum oder Pinguin, kann eine deutlich kleinere Fläche einnehmen als die Hintergrundlandschaft und wird trotzdem noch deutlich wahrgenommen. Einfach, weil man bei der Betrachtung sofort einen Bezug zu diesen Elementen herstellen kann. Es ist sofort klar, worum es im Bild geht.

Königspinguine auf den Falkland Inseln, Saunders Island

Im Bild oben stehen die Pinguine am Strand und sind gut verteilt, doch flächenmäßig nehmen sie vermutlich nicht einmal einen Prozent ein. Und doch ist die Botschaft und die Bildidee klar. Es gibt eine deutliche vertikale Dreiteilung zwischen der trockenen Sandfläche auf denen die Pinguine stehen, dem feuchten Übergangsbereich zwischen Strand und Wellen und der Wasserfläche selbst. Die erhöhte Position konnte ich durch einen Hügel erreichen, wobei ich mir noch ein paar Meter mehr gewünscht hätte. Ich habe diese Szene von unterschiedlichen Standorten aus beobachtet und den optimalen “Kompromiss” herausgefunden. Mir ist die Separation der einzelnen Elemente im Bild sehr wichtig, um eine klare und unterbewusst beruhigende Komposition aufzunehmen. Auch die Schatten sollten sich nicht unangenehm miteinander Schneiden und die Tiere dadurch verschmelzen.

Königspinguine auf den Falkland Inseln, Saunders Island

Farben als zusätzliches Stilmittel

Die Farben sind in der Naturfotografie ein ständiger Begleiter und haben tragen für ein funktionierendes Bild eine essenzielle Rolle. Wir nehmen Farben subtil und unerschwellig oder auch ganz bewusst wahr. Auch wenn sich jemand überhaupt nicht mit Farben auseinandersetzt, nimmt dieser Mensch die Wirkung von Farben subtil wahr. Ein Bild mit einem ausgewogenen Farbkontrast und gezielt eingestellter Farbbalance spricht deutlich besser an, als das selbe Bild mit undefinierten Farben und einer zu warmen oder zu kalten Färbung. Wenn wir uns das Bild oben einmal etwas näher ansehen, dann habe ich hierbei einerseits sehr auf die Positionierung der Pinguine betrachtet, sowie deren Relativposition mit dem Berg im Hintergrund. Außerdem kontrastieren sich die beiden dominanten Farben im Bild hervorragend. Das bläuliche Gras, sowie der beschattete Bereich am Strand und der Himmel haben eine kühle Färbung. Die Pinguine, die Flechten und der sonnenbeschienene Hang auf der gegenüberliegenden Seite haben einen warmen Farbton. Dadurch heben sich auch die kleinen Pinguine in dieser weiten Landschaft gut ab.

Was ist ein Environmental Portrait

Wie sooft ist manchmal eine Mischung sehr effektiv und ansprechend. Und wenn ich eine nahe Begegnung mit einem tollen Tier habe, schätze ich es auch sehr, davon ein Portrait zu machen mit einem formatfüllenden Tier. Doch immer wieder bemerke ich, dass die Bilder, die mich am Meisten ansprechen Aufnahmen sind, die auch etwas von dessen Habitat zeigen. Für ein wunderschönes Tierportrait reicht ein Besuch im Zoo und die Landschaft dahinter tritt völlig in den Hintergund oder ist gar nicht zu sehen. Doch bei einem environmeltal Portrait, einem Portrait eines Tieres in dessen natürlicher Umgebung, muss auch die Schönheit der Landschaft hervortreten. Die Landschaft ist ein essenzieller Teil des Bildes. Sie ist die Bühne für unsere Hauptakteure.

In der Welt in der jedes Bild nur für millisekunden betrachtet wird, wenn es überhaupt sichtbar wird, ist ein größerer Ausschnitt oder ein dominanter sichtbares Tier vermutlich wirkungsvoller. Allerdings bin ich der Meinung, dass ein wirklich ästhetisches und schönes Bild, viel wertvoller ist, als nur ein simples Portrait. Eine Tier in der Landschaft hat mehr Facetten, und erzählt eine umfangreichere Geschichte als bloß ein Ausschnitt vom Gesicht eines Lebewesens. Besonders in der Antarktis kommt man nahe an die Motive ran. Pinguine sind glücklicherweise flächendeckend geschützt und diese sind absolut nicht scheu. Im Gegenteil, sie sind super neugierig und das eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Für diese Reise habe ich mich ganz bewusst für das geniale 300 mm f/2.8 GM entschieden, da dies genau die perfekte Brennweite ist. Mit einer längere Brennweite, wie 400 oder 600 mm wäre ich häufig viel zu nahe dran gewesen.

Besonders für die weiten Blickwinkel und die Aufnahmen der Tiere in der Landschaft bei näherer Distanz, hatte ich zumeist das 50-150 f/2 GM im Einsatz. Für mich ist diese Art von Aufnahme eine willkommene Gegenbewegung zum reizüberfluteten “doom scrolling”. Jede Aufnahme ist so angelegt, einen Moment innehalten zu müssen und sich darauf einzulassen. Erst, wenn man sich einen kleinen Augenblick Zeit nimmt, offenbart sich ihr Geheimnis und die kleine Geschichte dahinter.

Atmosphäre, Tiere und Landschaft

Nicht immer sind alle Elemente vorhanden und nicht immer ist es möglich eine klare und puristische Aufnahme zu gestalten, in der sich die Landschaft und die Tiere in einer harmonischen Balance befinden. Keines der beiden Elemente spielt sich in den Vordergrund und keines der beiden Elemente schreit nach Aufmerksamkeit. Als Bindeglied zwischen den Tieren und der einzigartigen Landschaft im Hintergrund, dienen die wunderschönen Schneeflocken, die durch die extrem offene Blende von f/2.0 gigantisch groß wirken. Dieser Ort in der Antarktis war bezüglich der Lichtstimmung und der Atmosphäre einer der ganz besonderen Momente.

"Mich würde interessieren, wie dein Blick auf dieses Thema ist. Sprechen dich Tierportraits an, oder möchtest du auch mehr? Was sind die Bilder die du selbst aufnehmen möchtest und was resoniert mit deiner eigenen Arbeit?”

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