Schlechtes Wetter - Gute Bilder
Sprühnebel, Regen und extremes Wetter
Wie du bei diesen Bedingungen trotzdem brauchbare Ergebnisse erzielen kannst möchte ich hier etwas näher erläutern. Die wunderschönen Regionen im norden Europas besuche ich sehr gerne, doch das Wetter ist manchal wirklich eine riesige Herausforderung. Hier gehe ich näher darauf ein, wie ich damit in der Praxis umgehe.
No Rainbow without Rain!
Draußen im Regen
Auf Reisen ist es besonders auffallend, wenn das Wetter mal nicht so mitspielt, wie man sich das wünscht. Oder wünschen wir uns diese Wetterverhältnisse etwa doch? Denn eines soll schon dazu gesagt sein. Ohne Regen gibts halt auch keinen Regenbogen am Himmel. Und diese farbenfrohen Lichtbögen sind doch ein ziemlich tolles Bildelement und ein wahres Highligt. Hätte ich im Bild oben keinen Regenbogen, so hätte ich das Foto gar nicht aufenommen. Zahlreiche Male waren wir mit Fotogruppen bereits an exakt diesem Platz untergebracht und noch nie habe ich diesen Ausschnitt zuvor fotografiert. Erst als der Regenbogen da war, ergab sich für mich eine fotografisch interessante Szene, die ich aufnehmen wollte. Mein Lieblingsbild wird es trotzdem nicht werden, da die Häuser nun wirklich keine bevorzugten Bildelemente von mir sind. Doch ich muss zugeben, dass sie in diesem Fall sehr gut als Größenreferenz dienen und den Regenbogen noch dominanter und eindrucksvoller erscheinen lassen.
Da diese Szene dirket bei unserer Unterkunft stattgefunden hat, sind wir schnell rausgestürmt und haben das gute Licht ausgenutzt. Nur mit der Kamera in der Hand und dem Reinigungstuch in der Regenjacke, haben wir gemeinsam verschiedene schöne Blickwinkel erkundet. Und genau da ist auch schon der wichtigste Punkt. Der deutliche Regen ist auf dem Bild selbst gar nicht so gut zu sehen. Natürlich gibt es eine gekräuselte Wasseroberfläche, doch ist der Regenbogen der einzige wirkliche Indikator dafür, dass es erheblichen Niederschlag gab. Bei näherer Betrachtung ist ebenfalls ein “Regenvorhang” vor der Bergkette zu erkennen, allerdings muss man dafür schon etwas näher hinsehen.
Einer meiner Lieblingsplätze auf Island, und auch einer der forderndsten Orte mit der Kamera zu sein. Denn nicht nur bei Regenfall, haben wir das Problem, dass die Frontlinse lästige Tropfen auffängt. Manchmal scheinen diese Tropfen insignifikant, doch am Bildschirm zu Hause kommt die Wahrheit raus. Besonders deutlich werden die Wasserspritzer in den dunkleren Bildbereichen. Eine Korrektur dieser Fehler ist häufig sehr aufwändig bis unmöglich…Vielleicht nicht völlig unmöglich, aber so nervig, dass ich davor zurückscheue, nahezu endlose Retuschen am Bild vorzunehmen.
Meine Technik am Wasser
Obwohl ich in letzter Zeit immer häufiger ohne Stativ auskomme und mich sehr über die bessere Stabilisierung der Kameras freue, verwende ich am Wasser und für etwas komplexere Motive sehr gerne mein Dreibein. Das hat in der Regel mehrere Gründe. Einer davon ist, dass ich sehr gezielt an meiner Komposition arbeiten kann, denn oft entscheiden nur wenige Zentimeter darüber, ob ein Bild gut, mittelmäßig oder wirklich außergewöhnlich ist. Zusätzlich kann ich mich bei der Verwendung vom Stativ, sehr gut darauf konzentrieren, die Frontlinse möglichst gut zu reinigen und tropfenfrei zu halten. Zusätzlich zum Reinigungsztuch verwende ich eine Fernbedienung, bzw. den 2 Sekunden-Timer.
Nachdem ich meine Kamera mit der bestmöglichen Komposition so ausgerichtet habe, dass mir alles gefällt, bzw. realistischer gesprochen, am wenigsten im Bild stört, reinige ich meine Frontlinse so gut ich kann und lasse das Tuch noch vor dem Objektiv. Mit dem Reinigungstuch verhindere ich, dass neue Tropften ihren Weg auf das Objektiv finden. Sobald ich ready bin, ziehe ich das Tuch schnell weg und drücke 1-2 Mal mit der Fernbedieung ab, bevor ich die Frontlinse wieder abdecke, sowie abwische.
Ähnlich funktioniert es mit dem 2 Sekunden Selbstauslöser. Hierbei drücke ich ab und warte ca. 1,5 sec bevor ich schnell das Tuch entferne. Die kamera löst aus und ich bedecke die Frontlinse anschließend schnell wieder.
Sprühnebel bei eisigen Temperaturen
Vielleicht die schwierigsten Bedingungen unter denen ich ein tatsächlich sehr brauchbares Bild aufnehmen konnte. Doch das ist noch nicht alles. Beim fertigen Bild handelt es sich nicht nur um ein Einzelbild. Da ich dieses Aufnhame mit der Mittelformat Kamera aufgenommen habe und hierbei einen geringeren Schärfebereich habe, ist das fertige Bild ein Focusstack. Das heißt ich habe für jede Position mehrere Fokuspositionen aufgenommen.
Eine der forderndsten Bedingungen fand ich wieder mal in Island vor, denn an diesem Tag hatte es nicht nur eisige Temperaturen, deutlich unter dem Gefrierpunkt, sondern haben wir auch eine Platz besucht, der immer unendlich Feucht und voller Sprühnebel ist. Wenn ich bei einem Besuch mit einer Hand voll brauchbaren Bildern davonkomme, bin ich überglücklich. Die Realität sieht meist so aus: 100-200 Bilder von einer Szene mit starkem Sprühnebel und ca. 10-15 Bilder, die brauchbar sind und keinen bzw. nur ganz kleine Tropfen aufweisen.
Besonders bei Temperaturen deutlich unter Null ist Sprühnebel noch mühsamer, da dieser sofort auf der Frontlinse gefriert und schwieriger zu entfernen ist. Meine Empfelung dabei ist die Verwendung von Filtern. Manche Filter lassen sich deutlich besser abwischen als andere. DIe Beschichtungen sind sehr unterschiedlich. Mein magnetisches System von Nisi, das neue JET MAG ist für mich sehr angenehm zu arbeiten. Einerseits ist die Beschichtung absolut genial und die Tropfen lassen sich denkbar einfach entfernen. Zum Zweiten, ist der Rand der Filter kaum vorhanden, was es sehr erleichtert größere Wassermengen zu entfernen, ohne Schleier zu hinterlassen.
Pauschale Aussagen über Beschichtungen sind schwierig, denn auch die Kamerahersteller haben unterschiedlich gute Beschichtungen und die Reinigung verschiedener Objektive kann sehr voneinander abweichen. Generell kann ich nur empfehlen ausreichend viele Reinigungstücher zu einem Ausflug an einen Ort mit viel Sprühnebel mitzubringen.
Einfach abwarten
Irgendwann wirds scho wieder schön werden. Absolut richtig, aber wann? Und ist es fotografisch immer besser, wenn es wieder schöner ist? Ich finde ja nicht. Der großteil meiner Lieblingsbilder ist bei Bedingungen entstanden, wo viele Menschen überhaupt nicht vor die Tür gehen. Um den Grund dafür kurz zu umreißen muss ich einen kleine Exkurs machen.
Bei der Bildbearbeitung von Naturbildern ist es häufig unsere Aufgabe eine gewisse Dreidimensionalität wiederherzustellen und das Hauptmotiv vom fernen Hintergrund zu separieren. Oder wir wollen vielleicht das Auge lenken und den Blick auf das Highlight im Bild konzentrieren. Verschiedene Bildelemente haben eine unterschiedliche Wichtigkeit und bei der Bildbearbeitung haben wir Luminanz und Farben als Stellschrauben. Darüber können wir Atmosphäre und Kontraste darstellen. Je atmosphärischer wir unsere Bilder bearbeiten umso dreidimensionaler wirken die Szenen. Doch was passiert da genau? Kurz gesagt: Ein Element, das sich in kurzer Distanz zur Kamera befindet ist deutlich zu sehen, der Berg in der Distanz hat nur wenige Details und ist eher diffus.
Wenn wir also bei Bedingungen vor die Türe gehen, wenns eher ungemütlich ist, so helfen uns Regen und Schnee dabei, die entfernten Elemente noch diffuser darzustellen. Die Elemente in der Nähe bleiben deutlich erkennbar und somit haben wir, ohne irgendwas zu bearbeiten, einen atmosphärischen Kontrast erzeugt. Zusätzlich zur Atmosphäre haben wir häufig ausgeglichenere Luminanzkontraste. Keine viel zu hellen und viel zu dunklen Stellen im Bild.
Vorsicht am Meer!
Grundsätzlich nehme ich meine Kamera nahezu überall mit. Und ich hatte auch noch nie größere Probleme oder eine defekte Kamera, die durch Wasser beschädigt wurde. (Ich hoffe das bleibt auch so!) Doch ein wenig sollten wir uns doch auch mit der Behandlung der Ausrüstung beschäftigen, nachdem wir bei schwiegiben Bedingungen draußen waren. Regen ist ein Thema, das sich sehr gut bewältigen lässt. Auch wenn deine teuere Kamera im Schüttregen draußen ist und du reinigst diese anschließend gründlich, sollte es kaum ein Problem geben. Etwas anders sieht das bei Meerwasser aus. Dabei sollten wir sehr vorsichtig sein.
Wer schon mal auf Island war, weiß bestimmt auch dass es manchmal auch ganz schön windig sein kann. Kommt der starke Wind vom Meer, so werden wir regelrecht mit Meerwasser geduscht. Dies fürht dazu, dass Salz auf unsere Ausrüstung gelangt. Das Wasser sammelt sich in den Spalten und damit auch das Salz. Wenn wir jetzt nichts unternehmen, dann korrodieren früher oder später die metallischen Teile in unserer Kamera.
Dies wollten wir natürlich verhindern. Daher nehme ich ein feutchtes Tuch mit Reinigungsflüssigkeit oder Süßwasser und tupfe die Kamera und das Objektiv vorsichtig ab. Ich achte sehr darauf nicht zu wischen oder über die Flächen zu reiben, da ich mit dem Salz dei Oberflächen zerkratzen könnte. Durch das Abtupfen, löst sich das Salz auf und nachdem wir diesen Schritt wiederholt haben, können wir die Feuchtigkeit einfach abwischen. Jetzt ist die Kamera oberflächlich sauber, allerdings noch nicht perfekt ausgetrocknet. In feinen Spalten, könnte sich noch immer ein kleines bisschen Feuchtigkeit befinden. Daher verwende ich auf Reisen größere Silikagel Beutel, die viel Feuchtigkeit aufnehemen können und zusätlzich regeneriert werden können. Mit diesen Beuteln bin ich Temperaturunabhängig und kann den Inhalt meines Kamerarucksacks gut von Feuchtigkeit befreien. Vorausgesetzt, der Rucksack selbst ist nicht völlig nass. Wenn ich nach einer Reise zurück nach Hause komme, reinige ich meine gesamte Ausrüstung sehr ausführlich und achte darauf, dass alles wieder wie neu ist. Damit kann ich maximale Zuverlässigkeit und höchste Lebensdauer aus dem Equipment erwarten.