Berge fotografieren - meine Herangehensweise
Wunderschöne Silhouette und Schichten der Bergketten
Motivation und Vorbereitung
Warum mich die Berge so faszinieren?
In den montanen und alpinen Regionen Österreichs finden sich einige besondere Strukturen und Lebewesen wieder. Vermutlich ziehen mich diese Gebiete auch desahalb so an, weil es hier Regionen gibt, wo man fast ausschließlich Natur bzw. naturnahe Bereiche sieht. Die Bergregionen haben für mich auch ein wenig Ähnlichkeit mit den polaren Regionen und dem hohen Norden. Dort gibt es auch wenig Besiedelung, teilweise hohe Berge und die Gegenwart von Schnee und Fels zur gleichen Zeit. Außerdem verändert sich die Vegetation und die Bäume schrumpfen je weiter man Richtung Norden kommt oder man in die Höhe steigt.
Mein Respekt der rauen Bergwelten gegenüber ist sehr groß und auch wenn ich nur kleine Ausflüge mache, habe ich immer eine Grundausrüstung mit, die mich vor plötzlichen Wetterumschwüngen schützt. Zusätzlich wird die Wetterlage mit unterschiedlichen Vorhersagen möglichst gut abgeschätzt… obwohl das etwas fordernd und teilweise sehr widersprüchlich ist.
In manchen Gegenden gibt es durchaus Gebiete, die wunderbare Landschaften präsentieren und doch sehr leicht erreichbar sind. Ist es über einen Lift oder auch über Straßen, welche weit in die Höhe reichen. Egal, ob wir die Höhe mit eigener Muskelkraft und Ausdauer erreichen oder über technische Hilfsmittel, den Ausblick können wir in jedem Fall genießen.
Das Streiflicht separiert die Bergkämme
Technik im Gelände
Bei kleineren Wanderungen ist es deutlich, dass wir nicht an jedem Ort zum besten Licht sein können und das müssen wir auch nicht. Denn meiner Ansicht nach, können wir daraus viel lernen. Nicht immer müssen oder sollen wir der blauen oder goldenen Stunde nachjagen. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich diese Tagesrandzeiten nicht unglaublich schätze. Doch mir ist durchaus bewusst, dass ich nicht alle Motive zum sanften Licht aufnehmen und überall gleichzeitig sein kann - und das möchte ich auch nicht. Ich schätze das harte Licht, sowie Streiflicht sehr für die ganz besonderen und völlig anderen Möglichkeiten.
Eine perfekte Freistellung durch Hell und Dunkel
Komposition in den Bergen
Wie in den meisten Fällen entscheidet die Anordnung der einzelnen Bildelemente, ob wir eine Aufnahme als spannend und ansprechend interpretieren oder doch als eher gewöhnlich oder gar langweilig abtun. Doch Komposition folgt meist keinen klaren Regeln, keinen Mustern, die wir immer anwenden können. Manchmal können wir Elemente aus früheren Erfahrungen anwenden oder Bilder anderer Fotograf*innen nachahmen und eine eigene Perspektive auf eine gewisse Bildidee projizieren. Häufig geht es dabei wirklich nur um feine Nuancen, die den Unterschied zwischen interessant und banal ausmachen. Besonders deutlich wird dies bei der Verwendung vom Weitwinkelobjektiv.
Stell dir beim Aufbau deiner Bilder die Frage: Was ist im Bild überflüssig und was trägt nicht zur gewünschten Bildaussage bei?
Viel Tiefe durch natürliche Rahmen - ein komplexer Bildaufbau, der trotzdem geordnet ist
Ausrüstungs-Tipps für Bergfotografien
Ich nehme prinzipiell immer so viel mit, wie ich tragen kann. Das heißt jetzt nicht, dass ich den Rucksack immer voll mache und sehe, ob ich einen Meter damit zurücklegen kann, sondern vielmehr, ob ich damit bequem gehen und diesen für mehrere Stunden am Rücken haben kann. Außerdem überlege ich mir vorab gut, welche Motive mich potentiell erwarten könnten und auch worauf ich Lust habe. Ich weiß nicht, ob es dir da gleich geht, aber ich habe nicht immer Lust auf Weitwinkelaufnahmen oder auf Makro. Daher kommt nicht immer die selbe Ausrüstung mit. Manchmal habe ich einen eher abstrakten Tag und spiele gerne mit Reflexionen oder Spiegelungen, ICM und anderen künstlerischen Abstraktionen. An anderen Tagen genieße ich die grafischen Strukturen der Natur oder einfach die bloße Dokumentation einer wunderschönen Landschaft. Alles hat ihren eigenen Platz.
Mir fällt auf, dass ich besonders in letzter Zeit immer fauler werde, was das Stativ angeht. Häufig lasse ich es zu Hause und das hat durchaus auch mit den tollen Stabilisatoren der Kameras zu tun. Wenn ich schon eine halbe Sekunde aus der Hand fotografieren kann, dann brauch ich wirklich selten ein Stativ.
Wenn ich nur zwei Objektive mit in die Berge nehmen dürfte, dann wären das mein Sony 20-70mm f/4 und das Sony 70-200 f/4. Der große Vorteil ist, dass beide Objektive sehr leicht sind und ich damit einen großen Brennweiten-Bereich abdecke. Außerdem haben beide den selben Filterdurchmesser, somit muss ich nur einen Polfilter mitnehmen.
Für verstärkte Perspektiven oder extreme Positionen wäre natürlich noch ein Weitwinkel fein. Zwanzig Millimeter ist zwar eine tolle Brennweite, allerdings für manche Motive trotzdem noch nicht weit genug. Da macht jeder Millimeter etwas aus. Und da kommt dann bei mir das minikleine Sony 16-25mm f/2.8 ins Spiel. Das Objektiv ist so klein, dass ich es bequem in die Hosentasche stecken kann und bietet eben noch die 4 mm extra am unteren Ende. Diese 4 mm ermöglichen eine völlig andere Perspektive und das Potential, die Weitwinkel-Verzerrung perfekt zu nutzen.
Praktische Vorgehensweise vor Ort
In vielen Fällen ist es so, dass wir nicht exakt die Wunschposition einnehmen können un das trifft besonders in den Bergen oder am Wasser zu. Denn häufig sind die besten Positionen zu nahe am Abgrund oder zu nahe an den reißenden Stromschnellen. Wir leben mit dem Kompromiss und begeben uns nicht zu sehr in Gefahr - better safe than sorry.
Die Bildelemente sollten meines Erachtens Sinn machen und dementsprechend bewusst positioniert sein. Die helle Steinplatte in der Mitte des Bildes nimmt eine dominante Rolle ein und balanciert das Bild. Weder links noch rechts ist diese angeschnitten und fügt sich natürlich in die Umgebung ein. Die Bergspitze im Hintergrund ist ein ebenso dominantes Bildelement und einer der Hauptgründe für mich, dieses Bild so aufzunehmen. Der kleine Bach im Vordergrund ist wenig dominant, beginnt als Linie in der linken unteren Bildecke und führt uns in die Mitte der Szene.
Dynamik kann viel verändern. Dynamik kann von Wolken, Wasser oder anderen natürlichen Bildelementen kommen, aber auch von unseren Begleiter*innen. Meine Frau wandert in die beeindruckende Landschaft hinein und ist inmitten der wunderschönen Natur. Sie ist ganz zentral im Bild und auch die Bergspitze ist sehr zentral positioniert. Doch die Linien führen von den Bildecken in die Mitte und daher funktioniert das auch.
Völlig reduziert und doch markant. Im Nebel lassen sich einzelne Elemente perfekt isolieren und als unabhängige Inseln darstellen. Das sind Motive, die wir besonders nach einem Regenguss oder am Morgen erwarten können. Und hier ist es sehr vorteilhaft, wenn wir ein Teleobjektiv dabei haben. Einzelne Bäume ragen aus dem Nebel und sind bewusst im Bild positioniert. Eine reduzierte Landschaft, die ruhig und interessant zugleich wirkt.
Ein Bild auf das ihr alle gewartet habt…vielleicht?! Wer mag sie nicht, die schöne sanfte Lichtstimmung des Abends? Kurz vor Sonnenuntergang verlängern sich die Schatten und die Gelbtöne nehmen allmählich zu. Die Wolken und die hohen Bergzacken reflektieren das Licht und ragen aus der übrigen Landschaft, die sich bereits auf die Nacht vorbereitet.
Ästhetische Prinzipien
Authentizität ist mir bei meinen Bildern sehr wichtig. Ich versuche, Momente so einzufangen, wie ich sie wahrgenommen habe und nicht zwangsläufig auf die bloße Dokumentation zu reduzieren. Auch möchte ich weitgehend auf Inszenierungen verzichten und menschliche Elemente großteils ausschließen. In manchen Fällen, wie bei der Reedseehütte beispielsweise, fügt sich das Bauwerk gut in die Landschaft ein und ist kaum dominant im Bild.
Die Bilder dieses Beitrags sind aus drei unterschiedlichen Nachmittagen am Berg entstanden. Teilweise bei ausgedehnten Wanderungen und teilweise bei völlig einfachen und unspektakulären Bergfahrten mit der Gondel. Doch das spiegelt sich nicht zwangsläufig in den Bildern wider. Häufig höre ich von Menschen, dass sie von Bergfotos fasziniert sind, das aber selbst nicht so aufnehmen könnten, weil ihnen die Fitness dafür fehle. Durch die teilweise sehr gut erschlossenen Gebiete relativiert sich diese Ansicht. Denn manche Regionen sind sehr zugänglich und wunderbar sicher erlebbar.
Herzlichen Dank fürs Lesen und viel Freude beim nächsten Bergerlebnis.