Die Milchstraßen-Saison hat begonnen.

Die Milchstraßen-Saison hat begonnen.

Das Foto des Monats Februar 2019

Für mich hat die Milchstraßensaison sehr erfolgreich begonnen. Ende Februar war es wieder soweit. Mein sehr guter Freund Tom und ich haben uns auf den Weg zur Sonnschienhütte im Hochschwabgebiet gemacht um dort die hervorragenden Bedingungen fotografisch zu nutzen. Durch die weitläufige Landschaft und die damit verbundene geringe Lichtverschmutzung in dieser Region bietet sich das Hochschwabmassiv besonders für gute Sternenbilder an. Doch nicht nur der richtige Ort ist für schöne Bilder entscheidend, auch weitere Rahmenbedingungen wie Wetter und Mondphase sind von entscheidender Bedeutung. Mittlerweile gibt es für alle notwendigen Infos rund um die Sternenfotografie ausgezeichnete Apps um bereits im Voraus erfolgreich planen zu können. Doch wie funktioniert dies nun genau?

Was braucht man für gute Milchstraßenfotos?

Neben einer ausführlichen Planung mit Wetter, Mondphase, Blickrichtung und Witterung ist auch die Planung des notwendigen Equipments sehr entscheidend. Nicht nur die Kameratechnik, auch Gegenstände wie Stirnlampe oder die passenden Handschuhe sind von entscheidender Bedeutung.

Die Ausrüstung für Bilder der Milchstraße kann von wenigen 100 € bis mehrere 1000 € reichen. Je nach Anspruch und Vorhaben sind unterschiedliche Dinge erforderlich.

Nikon D810 mit Sigma Art 14mm 1.8, 8 Einzelbilder 

14mm | f/2.5 | 20 s | ISO 3200

Wie habe ich dieses Foto der Milchstraße gemacht?

Für mich ist es wichtig, authentische und realitätsnahe Bilder zu erstellen und aus diesem Grund verwende ich für meine Bilder aktuell ausschließlich Einzelbilder.

Sehr häufig sieht man im Internet Bilder der Milchstraße im Stil hyperrealistischer Landschaften, die aus mehreren Aufnahmen zusammengesetzt und überlagert werden, um einen möglichst hohen Dynamikumfang im Bild zu erhalten. Bei diesen hyperrealistischen Landschaftsbildern werden beispielsweise zur „Blauen Stunde“ einige Aufnahmen mit niedriger ISO Empfindlichkeit vom Bildvordergrund angefertigt und in der Dunkelheit mehrere Bilder vom Himmel und den Sternen gemacht und diese im Adobe Photoshop zusammengefügt und überblendet. Das ist natürlich auch ein möglicher Weg.

Ich habe für dieses Foto eine Nikon D810 mit dem Sigma 14mm f/1.8 ART verwendet, welches von einem Vanguard Stativ gehalten wurde. Um die Belastung auf die Stativplatte zu verringern und damit ein potentielles Verwackeln beim Fotografieren im Hochformat zu vermeiden, verwende ich einen L-Winkel an meinen Kameras. Zusätzlich zu diesem Kamerarelevanten Equipment habe ich noch eine Stirnlampe mit rotem Licht verwendet um die Beleuchtung möglichst dunkel zu halten, damit das Auge beim Akkommodieren schneller ist. Zusätzlich habe ich immer sehr warme Kleidung in Schichten mit mir um bei längerer Zeit im Freien nicht auszukühlen. Für extreme Bedingungen verwende ich zusätzlich Heizkissen von The Heat Company, die auch direkt in den passenden Handschuhen eingesetzt werden können. Bei Interesse gibt es mit dem Gutscheincode JAKESCH1920 eine Vergünstigung von -10% auf alle Produkte.

Bevor ich mich jedoch vor Ort die Fotos anfertige, beginnt zu Hause am Computer und auf dem Smartphone die Planung. Dafür verwende ich StellariumDark Site FinderBergfexMeteobluePlaneit! und Exsate Golden Hour um genaue Informationen über die Verhältnisse vor Ort zu erhalten. Grundsätzlich beginne ich mit den Seiten Bergfex und Dark Site Finder, wo ich mir Gedanken über eine mögliche Location mache wo auch die potentielle Lichtverschmutzung gering ist. Danach öffne ich die Stellarium App in Kombination mit Exsate Golden Hour um einen passenden Zeitraum zu ermitteln. In der Stellarium App erhalte ich alle nötigen Informationen über den Weg der Himmelskörper und möglichen Meteorschauern und in der Exsate Golden Hour app erhalte ich Informationen über die genauen Zeiten, in denen es astronomisch dunkel ist und auch schon ein paar Daten bezüglich Wetter. Auch zum besten Zeitpunkt im Jahr und nach der besten Planung, kann einem das Wetter einen Stich durch die Rechnung machen und deshalb ist der darauffolgende Schritt immer die Überwachung des Wetters. Täglich informiere ich mich über verschiedene Quellen, wenn möglich auch lokale Quellen, um über die Wettersituation Bescheid zu wissen.

Am Ende dieses Planungszyklus war es dann soweit. Ende Februar war die Wettersituation für zwei Tage stabil und wir konnten an diesen Tagen unseren Ausflug auf die Sonnschienalm unternehmen. Die Hochdruckwetterlage hat uns angenehm klar Sicht beschert und es war so möglich die Sterne zu fotografieren.  Bevor wir die Hütte zu unserem Foto Spot verließen habe ich alle nötigen Voreinstellungen getätigt, um in der Dunkelheit wenig anpassen zu müssen. An der Kamera habe ich die Monitorhelligkeit auf den niedrigsten Wert eingestellt, einen Weißabgleichswert von ca. 4000K voreingestellt, einen ISO- Wert von 6400 bei einer Blende von f/2.5 und eine Belichtungszeit von 20s im manuellen Modus. Diese Einstellungen bei gutem Licht durchzuführen kann in der Praxis einen entscheidenden Unterschied machen. Nachdem das richtige Objektiv an der Kamera war, der geladene Ersatz Akku in der Hosentasche und die Stirnlampe auf rotes Licht eingestellt war haben wir uns zu unserem, bei Sonnenuntergang ermittelten Foto Spot, begeben.

Nach dem ersten Testfoto mit sehr hoher ISO wird die Schärfe der Sterne und des Gesamtbildes gecheckt und eventuell im Liveview nachjustiert. Hierfür vergrößere ich den hellsten Stern im Bild auf 100% fokussiere manuell darauf. Nach jedem Foto wird in der 100% Ansicht der Fokus kontrolliert um die besten Bilder mit nach Hause nehmen zu können. Nach einigen Testbildern für die besten Einstellungen und Einzelbildern im Querformat und Hochformat habe ich mich für eine Panoramaaufnahme entschieden, aber wie funktioniert das denn und worauf muss man achten?

Wie kann ich die gesamte Milchstraße auf ein Bild bekommen?

Für das Milchstraßenpanorama, wie auch für ziemlich alle anderen Panoramen ist es wichtig, das Stativ möglichst gerade auszurichten und darauf zu achten, dass es stabil steht. Die Kamera habe ich für dieses Bild nun in die Hochformat Position gebracht um noch mehr Information aus dem Himmel zu erhalten. Nachdem ich mir den Weg des Bildes kontrolliert habe, habe ich mit einer Überlappung von 50% alle 8 Bilder für den nötigen Bildausschnitt direkt hintereinander mit 5 s Selbstauslöser auf der Kamera aufgenommen. (Der Selbstauslöser dient der Vermeidung von Verwackelungen und kann auch gerne durch einen Fernauslöser ersetzt werden.) Die Einzelbilder habe ich anschließend zu Hause digital in Adobe Lightroom entwickelt und im selben Programm zu einem Panorama zusammengefügt. Wie ich die Milchstraßenbilder entwickle werde ich in einem weiteren Newsletter bearbeiten.

Wann ist die beste Zeit für Milky Way Fotos?

Zusammenfassend gibt es meiner Meinung nach unterschiedliche Zeiten, in denen es sich lohnt unterschiedliche Motive und Bildwirkungen mit schönem Nachthimmel zu vermitteln. Einerseits ist das helle Zentrum der Milchstraße beeindruckend und wunderschön, mit vielen unterschiedlichen Farbnuancen und kann in unseren Breiten im Sommer besonders schön aufgenommen werden. Andererseits ist die hell reflektierende Schneedecke im Spätwinter eine tolle Zeit um viel Information in einem Einzigen Bild zu erhalten. Wie so oft gibt es auch in für diese Frage keine eindeutige Antwort und es gibt mehrere lohnende Ansätze. Für die besten Bilder ist jedoch eine große Menge an Übung ratsam. Ich erinnere mich sehr gerne an meine unterschiedlichen Ausflüge bei denen ich die Milchstraße fotografiert habe und bei jedem Abenteuer habe ich etwas gelernt, konnte dadurch meinen Workflow und auch die Bilder verbessern.

Ich bedanke mich fürs Lesen, freue mich auf Kommentare und beantworte sehr gerne alle Fragen.

Für Interesse an meinen Milky Way Fotoworkshops freue ich mich sehr. Informationen zum nächsten Fotoworkshop finden Sie hier. Auch gibt es für Interessierte, die ihr Heim oder ihr Unternehmen verschönern wollen limitierte Wandbilder von besonderen Motiven und auch von Milchstraßenfotos.

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