69°Nord

69°Nord

69°NORD

Im Land der Mitternachtssonne

Text: Conny & Philipp Jakesch 
Fotos: Philipp Jakesch

Als Landschaftsfotograf fühle ich mich von den abgelegenen und besonderen Plätzen unwiderstehlich angezogen, wo die wilde und nahezu unberührte Natur spürbar ist – dafür ist einer der nördlichsten Teile Europas einfach perfekt. Hinzu kommt, dass ich mich glücklich schätzen darf, eine Frau zu haben, die diese Leidenschaft für die Natur mit mir teilt. Obwohl unsere Paddelkarriere noch sehr kurz ist, genießen wir seit Anfang an das Gefühl des sanften Dahingleitens in einem kleinen Boot sehr. Zehn Tage lang draußen in der Natur zu sein, fast niemanden zu sehen, kein Geld auszugeben und nicht in einem herkömmlichen Bett zu schlafen, schien das Richtige für uns zu sein. Nur die Weite des Inarijärvi mit seinen über 3.500 wilden Inseln und unser gut bepacktes, aufblasbare Kajak – eine großartige Kombination!

Nach unserer ersten Nacht auf einer wunderschönen Sandbank am Ivalojoki mit zahllosen Rentierspuren und Temperaturen knapp über null Grad, beluden wir unser Kajak im Regen und schauten, in Bewegung zu kommen, um wieder warm zu werden. Nach ein paar Kilometern besserte sich nicht nur das Wetter, sondern auch unsere Laune: Mittlerweile im östlichen Teil des Sees angekommen, durften wir die ersten der vielen Inseln entdecken und genossen Kaffee sowie unsere letzten Schokoladevorräte. Am fünften Tag kam Wind auf, der Inarisee zeigte sich mit recht imposanten Wellen von seiner ungestümen Seite und wir mussten uns ins Zeug legen, um voran zu kommen. Plötzlich, im denkbar ungünstigsten Moment, biss ein Fisch an und diesen mit unserer, durch den Transport etwas ramponierten Angel an Bord zu bekommen, war eine Herausforderung. Während Conny das Boot auf Kurs hielt, suchte ich das nötige Equipment zusammen, um den Fisch zu versorgen – eine Weile später ließen wir ihn uns über dem Feuer gegrillt gut schmecken.

 

Der Kontrast hätte nicht größer sein können, als wir über die weite Wasserfläche vom östlichen zum westlichen Teil des Sees paddelten. Am Tag davor brachen sich die Wellen und jetzt wirkte der See wie ein flüssiger Spiegel, auf dem man vom Boot zur nächsten Insel spazieren könnte. Perfekte Bedingungen für Luftaufnahmen und wundervolle Reflexionen. Als wir unsere Reise am westlichen Teil des riesigen Sees in Richtung Süden fortsetzten, hielt der neunte Tag etwas ganz Besonderes für uns bereit. Wir landeten auf einer ziemlich großen Insel in einer wunderschönen Bucht mit sandigem Strand, übersäht mit kleinen, farbenfrohen Steinen. Kaum aus dem Boot gestiegen, entdeckten wir zahlreiche Rentierspuren und zwei wunderschöne Häher erwarteten uns bereits neugierig. Nachdem wir unser Lager aufgeschlagen hatten, genossen wir bei einem warmen Essen die Sicht auf den immer ruhiger werdenden See und das subtile Farbenspiel des Himmels. Die Mitternachtssonne hielt in dieser Nacht viele großartige Bilder für uns bereit und wir nahmen diese besondere Atmosphäre tief in uns auf. Nur Minuten nach Mitternacht ging der fast volle, orange-rötliche Mond auf – ein atemberaubender Anblick. Kurze Zeit später begannen Nebelschwaden aus dem Inselinneren zur Küste zu ziehen und wir wussten, dass wir einen der kleinen Seen auf der Insel besuchen mussten. Dort offenbarte sich eine unwiderstehliche, magisch-mystische Szene in absoluter Stille und überwältigenden Farben, die wir bis fast sechs Uhr morgens genossen – und nicht einmal die Moskitos konnten dieses Erlebnis schmälern.

Zum krönenden Abschluss dieser unglaublichen Reise, paddelten wir die letzten 15 von den insgesamt 175 Kilometern flussaufwärts zu dem Ort, an dem wir unser Abenteuer starteten. Die gleichen zwei Menschen auf dieser riesigen Sandbank am Ivalojoki, doch so viel reicher an Eindrücken und überglücklich, dass wir diese Erfahrungen machen durften. Nach dieser komfortablen Nacht auf weichem Sand packten wir unsere Sachen und ließen uns mit unseren an die 90 Kilogramm Gepäck für die letzten drei Kilometer zum Flughafen von einem Taxi abholen. Kaum hatten wir unsere Füße auf das Flughafengelände gesetzt, schmiedeten wir schon Pläne für unsere nächste Reise ins Land der Mitternachtssonne.

 

69° NORTH

In the land of the midnight sun

Text: Conny & Philipp Jakesch 
Photos: Philipp Jakesch

As a landscape photographer I am heavily drawn to those remote and special places where you can feel the wild and almost untouched nature – that’s why one of the northernmost parts of Europe are just perfect. Additionally, I am lucky enough that my wife shares this passion for nature and the outdoors with me. Although we are quite new to paddling, we really enjoyed the feeling of the slow and soundless movement of a small boat right from the start. The combination of being out in the nature for ten days without seeing a person, spending any money or sleeping in a proper bed, sounded just right for us. Solely the wide-open water of Inarijärvi with at least 3.500 wild islands and our well loaded inflatable kayak appeared like a great blend. 

After our first night on a beautiful sandbar of Ivalojoki, with loads of reindeer footprints and temperatures just slightly above zero, we loaded the kayak in the rain and started moving to get warm. After a few kilometres the weather got nicer and our mood enlightened too. Continuing the trip on the eastern part of the lake we discovered the first of many islands and enjoyed ourselves with coffee and the last pieces of chocolate. On day five the wind picked up and lake Inari showed us its wild side with quite impressive waves, and we had to do a good amount of work to make progress. Suddenly, at probably the worst timing imaginable, a fish had bitten and trying to get it out of the water with our bust fishing rod was quite a challenge. Meanwhile Conny was keeping the boat on track and I tried to find all I needed to take care of the fish, so that we could relish it grilled in our next camp. 

The contrast could hardly be stronger, as we paddled across the wide-open waters from the eastern to the western part of the lake. The day before the waves were crashing and now the lake looked like a liquid mirror. It felt like you could just get out of the boat and walk to the next island. Perfect conditions for aerial shots and amazing reflections. Continuing our trip on the western part of the huge lake to the south, day nine held something really special for us. We arrived at a quite big island and landed our boat on a beautiful bay with sand beach and small pebbles with all kind of colours. As we got out of the boat, we saw the reindeer steps and two curious siberian jays were already waiting for us. After building up our camp we enjoyed some nice warm food and watched the lake getting more and more quiet and the sky turning into nice and subtle colours. The midnight sun that night offered so many great images and big vistas for us and we enjoyed sucking in the atmosphere. Just minutes after midnight the almost full moon went over the horizon in a subtle orange which painted a really amazing picture. Shortly after midnight fog began to float the woods and we immediately knew, that the lakes on this island must appear incredible. After a short walk through the forest we came to a lake and had the most magical, mystical, almost irresistible conditions with absolute tranquillity and beautiful light. All components were just perfect, and we enjoyed this amazing nature and the soft light almost until six in the morning before we went to bed. More or less, we didn’t even care about the mosquitos. 

To end this incredible experience properly, we paddled the last 15 of overall 175 kilometres upstream on our last day and spent the night on the very spot we started this adventure. The same two people on this huge sandy river bench of Ivalojoki, but so much richer and happy to had the opportunity to experience something this special. After this comfortable night on the soft and sandy beach we packed our bags and got picked up by the taxi for the last three kilometres with our 90 kilos of luggage. As we set our feet onto airport ground, we immediately started planning our next trip to the land of the midnight sun.

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Vielen Dank fürs Lesen. Herzlichen Dank an die Sponsoren.

Ich freue mich immer über nettes Feedback. Also gerne eine kleine Nachricht hinterlassen. Zusätzlich soll erwähnt sein, dass einige Bilder als limitierte Wandbilder erhältlich sind und somit ihre eigenen vier Wände zieren können.
Ich freue mich auf eure Anfragen.

Thank you for reading. Big thanks to the sponsors.

I am always happy about nice comments to my work. So leave a comment below. Additionally I want to mention, that some of my images are available as limited edition prints. A nice way to put some nature around you. All day every day. 😉 

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